Chroma Comic

Sprechblasen und Lettering

Du lernst, Text und Blase in der richtigen Reihenfolge zu bauen, sauber von Hand zu lettern und deine Panels so zu beschriften, dass sie sich von selbst in der richtigen Reihenfolge lesen.

15 Min.

Ein Comic wird nicht nur angeschaut, er wird gelesen. Sobald Text ins Bild kommt, bestimmst du mit jedem Millimeter, in welcher Reihenfolge und wie schnell jemand durch dein Panel geht. Sprechblasen sind deshalb keine Deko, die man am Schluss draufklebt, sondern Teil der Komposition. Und Lettering ist Zeichnen, nicht Schreiben: Buchstaben baust du genauso bewusst wie eine Hand oder ein Dach.

Text zuerst, Blase danach

Der häufigste Anfängerfehler ist eine schön gerundete Blase, in die der Satz nachträglich hineingequetscht wird. Das Ergebnis sind gestauchte Buchstaben, Trennungen an unmöglichen Stellen und unten ein Rest Leerraum, der aussieht, als hätte man etwas vergessen.

Mach es umgekehrt. Schreibe den Text zuerst, mit Bleistift, auf Hilfslinien, in genau der Grösse, die er später haben soll. Ordne die Zeilen so an, dass der Block eine ruhige Form ergibt: mittlere Zeile am längsten, obere und untere etwas kürzer, sodass sich eine sanfte Ellipse andeutet. Erst dann zeichnest du die Blase darum herum, mit etwa einer Buchstabenhöhe Luft an allen Seiten. Die Blase folgt dem Text, nie umgekehrt.

Das heisst auch: Platz für Sprache planst du schon beim Panel ein. Lass beim Zeichnen oben im Bild eine ruhige Zone frei, Himmel, Wand, Busfenster. Dort wohnen später die Blasen, ohne dass sie Gesichter zudecken.

Die Lesereihenfolge

Gelesen wird von oben links nach unten rechts. Also gehört die Blase, die zuerst gesprochen wird, nach oben links, die Antwort weiter rechts oder tiefer. Der Schwanz, dieser spitze Fortsatz, zeigt zum Mund der sprechenden Figur; er darf kurz sein, muss aber eindeutig zielen und nicht irgendwo zwischen zwei Köpfen enden.

Die wichtigste Regel: Schwänze kreuzen sich nie. Wenn sich zwei Schwänze überschneiden, ist nicht das Lettering schuld, sondern die Anordnung im Panel. Dann tauschst du die Blasen oder stellst die Figuren anders hin. Wer zuerst spricht, steht links. Das klingt banal, entscheidet aber schon beim Skizzieren, wie du eine Szene aufbaust.

Handlettering, das gleichmässig wirkt

Schreibe in Grossbuchstaben. Sie sind im Comic Tradition, weil sie auch bei kleiner Grösse lesbar bleiben und kleine Unsauberkeiten verzeihen. Zieh dir mit Bleistift zwei Hilfslinien im Abstand von etwa 3 mm und schreibe so, dass jeder Buchstabe oben und unten beide Linien berührt. Runde Formen wie O oder S dürfen minimal überstehen, sonst wirken sie zu klein.

Zwischen den Zeilen lässt du etwa die Hälfte einer Buchstabenhöhe Luft. Der Wortabstand entspricht ungefähr der Breite eines O, die Buchstabenabstände regelst du nach Auge statt nach Massstab: Nach einem L braucht es weniger Platz als nach einem A. Halte die Formen schlicht, keine Serifen, keine Schnörkel.

Betonung machst du über Gewicht, nicht über Grösse: Zieh die Striche eines Wortes mit dem Fineliner ein zweites Mal nach, bis es fett wirkt. Ein bis zwei betonte Wörter pro Blase reichen, sonst schreit der ganze Satz und nichts sticht mehr heraus.

Fünf Blasenarten

Die Redeblase ist ein glattes Oval mit spitzem Schwanz. Die Gedankenblase ist eine Wolke, deren Schwanz aus drei kleiner werdenden Kreisen besteht. Geflüstertes bekommt dieselbe Ovalform, aber eine gestrichelte Kontur und oft etwas kleinere Schrift. Geschrien wird in einer gezackten Blase mit scharfen Spitzen, drinnen grössere, fettere Buchstaben. Der Erzählkasten ist ein einfaches Rechteck ohne Schwanz, meist oben im Panel; er trägt Zeit, Ort oder die Erzählstimme und sollte einen kleinen Abstand zum Panelrand halten.

Soundeffekte sind Bilder

Ein Geräusch gehört nicht in eine Blase, sondern ins Bild. Zeichne die Buchstaben als Objekte: Ein dumpfes Geräusch bekommt breite, schwere Formen, ein Quietschen dünne, spitze, zittrige. Setze den Effekt dorthin, wo der Klang entsteht, lass ihn ruhig eine Figur oder den Panelrand überlappen. Umrande die Buchstaben mit einer kräftigen Linie und lass sie innen weiss oder füll sie schwarz, je nachdem, wie laut es sein soll.

Kurz halten

Mehr als rund 25 Wörter passen in keine Blase, ohne dass sie das halbe Panel frisst. Wenn dein Satz länger wird, teile ihn auf zwei Blasen auf. Zwei Blasen lesen sich wie zwei Atemzüge und geben der Figur automatisch Rhythmus. Als Faustregel gilt: Alle Blasen zusammen sollten höchstens ein Viertel der Panelfläche belegen.

Übung

Nimm dir 15 Minuten und teile sie in zwei Hälften. In den ersten sieben Minuten ziehst du mit Bleistift Hilfslinien im Abstand von 3 mm und letterst das ganze Alphabet in Grossbuchstaben, ruhig und gleichmässig, danach in einer zweiten Zeile den Satz DER BUS KOMMT ZU SPÄT, mit einem fett nachgezogenen Wort.

In den restlichen acht Minuten nimmst du deine Bus-Szene aus Modul 6 vor, oder zeichnest drei schnelle Panels neu. Setze hinein: eine Redeblase, eine Gedanken- oder Flüsterblase, einen Erzählkasten und einen gezeichneten Soundeffekt. Immer zuerst der Text mit Bleistift, dann die Blase darum, dann alles mit dem Fineliner. Fotografiere das Blatt und zeig es dem Coach – achte besonders darauf, ob sich kein Schwanz kreuzt.